Amazon-Bestellungen in SAP Business One importieren: die Wege
Amazon-Bestellungen lassen sich auf vier gängigen Wegen nach SAP Business One bringen: über den manuellen Export der Bestellberichte aus Seller Central mit anschließendem Import ins ERP, über einen fertigen Amazon-Konnektor für SAP Business One, über eine Middleware- bzw. iPaaS-Plattform oder über eine individuelle Integration, die Bestellungen per Amazon Selling Partner API (SP-API) abruft und über den Service Layer bzw. die DI-API als Auftrag in SAP Business One anlegt. Welcher Weg passt, hängt vor allem vom Bestellvolumen, vom Versandmodell (FBA oder Eigenversand) und davon ab, wie sauber Artikel, Steuern und Gebühren im ERP ankommen sollen.
Warum gehören Amazon-Bestellungen ins ERP?
Wer neben dem eigenen B2B-Shop auch über Amazon verkauft, hat zwei Auftragsquellen – aber nur ein führendes System. In SAP Business One laufen Lagerbestand, Buchhaltung und Versandabwicklung zusammen; solange Amazon-Bestellungen dort nicht ankommen, werden sie von Hand abgetippt: fehleranfällig, langsam und bei wachsendem Volumen schlicht nicht mehr machbar.
Dazu kommt der Bestand: Verkauft derselbe Artikel im eigenen Shop und auf dem Marktplatz, muss SAP Business One beide Kanäle kennen – sonst verkauft ein Kanal Ware, die der andere schon reserviert hat. Ein automatisierter Bestellimport ist deshalb weniger ein Komfortthema als die Voraussetzung dafür, Amazon überhaupt sauber neben dem eigenen Geschäft zu betreiben. Für die Anbindung des eigenen Shops gilt dasselbe – dort über die ERP-Anbindung der Shopsoftware.
Wie kommen Amazon-Bestellungen nach SAP Business One?
Alle vier Ansätze haben ihre Berechtigung – sie unterscheiden sich im laufenden Aufwand, in der Aktualität und darin, wie viel Amazon-Sonderlogik (Gebühren, Steuern, FBA-Bestände) sie sauber abbilden.
| Ansatz | Stärken | Grenzen | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Manueller Bericht-Export aus Seller Central | Sofort verfügbar, kein Integrationsprojekt; Bestellberichte lassen sich z. B. über die Data Transfer Workbench (DTW) nach SAP Business One einspielen | Zeitversetzt und fehleranfällig; Artikel- und Steuerzuordnung muss bei jedem Lauf stimmen; keine Statusrückmeldung an Amazon | Wenige Bestellungen pro Woche, Testphase auf dem Marktplatz |
| Fertiger Amazon-Konnektor für SAP Business One | Erprobter Standard mehrerer Drittanbieter; Bestellabruf, Auftragsanlage und Versandbestätigung sind vorgedacht | Lizenz- und Wartungskosten; deckt die vorgesehenen Prozesse ab – Sonderfälle bei Steuern, Gebühren oder Mehrlager-Logik erfordern Anpassungen | Standardnahe Amazon-Abwicklung mit relevantem Bestellvolumen |
| Middleware / iPaaS | Verbindet Amazon, eigenen Shop und weitere Kanäle über eine Plattform; Mapping zentral gepflegt | Zusätzliches System mit eigenem Betrieb und laufenden Kosten; weitere Fehlerquelle in der Kette | Mehrkanal-Landschaften: Amazon plus Shop, PIM oder Logistik |
| Individuelle Integration über SP-API | Volle Kontrolle über Zuordnung, Steuerlogik und Fehlerbehandlung; nutzt mit SP-API und Service Layer/DI-API die offiziellen Schnittstellen beider Seiten | Entwicklungsprojekt mit Anlaufaufwand; Betrieb und Monitoring müssen mitgeplant werden | Hohes Volumen, eigene Prozesse oder Anforderungen, die Standard-Konnektoren nicht abdecken |
Die Wege entsprechen denen der Shop-Anbindung – ausführlich verglichen im Beitrag SAP Business One und Onlineshop verbinden.
So läuft der Bestellungen-Import konkret ab
Bestellungen abrufen
Die Integration ruft neue Bestellungen zeitgesteuert über die Orders-API der Amazon SP-API ab. Wichtig: erst importieren, wenn die Bestellung den Status „Unshipped/Zahlung bestätigt“ erreicht hat – Bestellungen im Status „Pending“ enthalten noch keine verlässlichen Beträge.
Artikel zuordnen
Jede Amazon-SKU wird einer Artikelnummer in SAP Business One zugeordnet – am robustesten über eine gepflegte Mapping-Tabelle (SKU/ASIN ↔ B1-Artikel). Bestellpositionen ohne Zuordnung dürfen nicht stillschweigend verworfen werden, sondern landen in einer Klärungsliste.
Geschäftspartner festlegen
In der Praxis üblich ist ein Sammel-Geschäftspartner je Marktplatz (etwa „Amazon.de“), an dem die Aufträge hängen – die Lieferadresse kommt je Bestellung mit. Einzelne Geschäftspartner pro Endkunde blähen den Stamm auf und sind meist nur bei Amazon-Business-Umsätzen mit Rechnungspflicht sinnvoll.
Auftrag in SAP Business One anlegen
Die Integration legt den Auftrag über den Service Layer oder die DI-API an – mit Amazon-Bestellnummer als Referenz, Bruttopreisen inklusive Versandkosten und korrekter Steuerfindung (bei EU-Lieferungen in andere Länder inklusive OSS-Fall). Die Amazon-Bestellnummer als Referenzfeld verhindert dabei Dubletten beim erneuten Abruf.
Versand und Status zurückmelden
Beim Eigenversand (FBM) meldet die Integration nach der Lieferung Versandbestätigung und Tracking-Nummer an Amazon zurück – sonst drohen verspätete Versandbestätigungen und schlechtere Verkäuferkennzahlen. Bei FBA versendet Amazon selbst; der Import dient dann vor allem Buchhaltung und Bestandsführung.
Gebühren und Auszahlungen abgleichen
Amazon zahlt gesammelt aus und zieht Gebühren direkt ab. Für eine saubere Buchhaltung werden die Abrechnungsberichte (Settlement Reports) den Aufträgen zugeordnet – sonst stimmen Umsätze im ERP und Auszahlungen auf dem Konto nie überein.
Woran Amazon-B1-Projekte in der Praxis hängen
Der reine Bestellabruf ist selten das Problem – aufwendig sind die Ränder. Vier Punkte, die früh geklärt gehören:
Und was hat das mit der CS Order Suite zu tun?
Die CS Order Suite, die B2B-Shopsoftware der CS Management & IT-Beratung GmbH, verbindet den eigenen Onlineshop über eine native Adapter-Architektur mit SAP Business One – Artikel, Bestände, kundenindividuelle Preise und Aufträge laufen ohne Zwischensystem. Genau die Bausteine, an denen ein Amazon-Import hängt – Artikel-Mapping, Auftragsanlage über Service Layer bzw. DI-API, Statusrückmeldung – sind dort produktiv im Einsatz.
Einen fertigen Amazon-Konnektor von der Stange bieten wir nicht an. Ob für Ihren Fall ein Standard-Konnektor reicht oder eine individuelle Anbindung als Integrationsprojekt der bessere Weg ist – etwa weil eigener Shop und Marktplatz aus demselben B1 bedient werden sollen –, klären wir am besten im direkten Gespräch. Einen Überblick über alle Anbindungswege gibt die Seite B2B-Schnittstellen.
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